Grünhaus

Das Projekt Grünhaus, von Frauke Hennek

„Ub - ub – ub“ tönt es wohlklingend über die Grünhauser Hochkippe. Upupa epops, wie der Wiedehopf im Lateinischen heißt, macht mit diesem Revierruf seinem Namen alle Ehre. Und zeigt mit sieben erfolgreich aufgezogenen Jungvögeln an: Wieder einmal ist ein Stück Natur in den ehemaligen Braunkohlentagebau Kleinleipisch zwischen Finsterwalde und Lauchhammer zurückgekehrt. Seit 2003 baut die NABU-Stiftung Nationales Naturerbe zusammen mit dem Naturschutz vor Ort das Naturparadies Grünhaus auf, um durch Flächenkauf und Sanierungsbegleitung der Natur die Chance zur natürlichen Wiederbesiedelung dieser durch besondere ökologische Bedingungen und einen hohen Strukturreichtum geprägten Landschaft zu geben.

Seit August 2003 befinden sich 900 Hektar im Besitz der Stiftung, darunter die Grünhauser Hochkippe mit ihren z. T. haushohen Böschungen, die angrenzenden, leicht gewellten Geländeabschnitte, der Grünhauser See, der Heidesee, der Kleinleipischer See und das bisher noch unbenannte Restloch 129. Die Verhandlung um den Erwerb weiterer 470 Hektar im angrenzenden Tagebau Klettwitz, darunter die Kostebrauer Heide mit weiten Offenlandbereichen und einer Vielzahl an im Entstehen begriffener Kleingewässer und Feuchtgebiete, konnte im November 2004 erfolgreich abgeschlossen werden. Bis zum Jahr 2007 soll das NABU-Schutzgebiet auf nahezu 2000 Hektar anwachsen.


Die grundlegende Gestaltung der ehemaligen Tagebaue ist durch die bergrechtliche Sanierungsplanung festgeschrieben worden. Nach dem Abschluss der Sanierungsarbeiten im Naturparadies wird sich mehr als die Hälfte des Naturparadieses auf natürliche Weise begrünen und dabei über viele Menschengenerationen die verschiedenen Sukzessionsstadien von Rohboden- über Pionier- und Verbuschungsphase bis hin zur Waldphase durchlaufen. Im Vordergrund steht für die NABU-Stiftung der Prozessschutzgedanke. Dadurch kann sich im Laufe der Zeit in Grünhaus eine vom Menschen weitgehend ungestörte Naturlandschaft entwickeln, die im Gegensatz zur umgebenden Kulturlandschaft nur durch natürliche Prozesse geprägt sein wird.

Fast ein Fünftel des künftigen Naturparadieses ist bereits jetzt mit Laubgehölzen aufgeforstet bzw. wird speziell für eine beschleunigte, natürliche Wiederbewaldung vorbereitet. Grünhaus wird sich künftig als ein außergewöhnlich wasserreicher Lebensraum darstellen: Weit über 300 Hektar werden durch Flachgewässer und Restlochseen geprägt sein. Derzeit ist der Heidesee zwischen 5 und 15 m tief, wobei die kläglich im Wasser stehenden Jungkiefern am nördlichen Rand der Seefläche von dem raschen Anstieg des Grundwassers seit dem Abstellen der Pumpen im Jahr 2001 zeugen. Trotzdem wird es noch ein bis zwei Jahrzehnte dauern, bis der endgültige Wasserstand durch den Grundwasseranstieg bzw. durch das Einleiten von Wasser aus der Schwarzen Elster erreicht sein wird. Dann werden sich auch die großen, zusammenhängenden Schilfflächen des Grünhauser Sees, in denen heute schon der Kranich brütet und über die die Rohrweihe jagt, an die flachen Ufer des künftig 10 m tiefen Sees zurückziehen.


Sehr unterschiedlich ist die Wasserqualität der vier Seen. Der Grünhauser See besitzt schon heute durch die frühere Einleitung von Eisenhydroxydschlämmen sowie sogenannter Kohletrübe aus der Brikettfabrik Lauchhammer einen nur leicht sauren pH-Wert. Die Wasserqualität der anderen Seen ist dagegen allein durch die schwefelhaltigen Abraummassen des Tagebaus geprägt, aus denen das Grundwasser stark sauer und mit hohen Konzentrationen von Sulfat, Ammonium und Eisenverbindungen einfließt. So liegen die pH-Werte dieser Seen im Bereich von pH 2,7 bis 3,1. Auch hier setzt die NABU-Stiftung auf eine natürliche Entwicklung der Seen, wasserverändernde Maßnahmen sind nicht geplant. So können sich im Laufe der Zeit saure, nährstoffarme Klarwasserseen mit ersten Moorinitialen entwickeln, die einen hohen Wert nicht nur für spezialisierte Arten mit hoher Säuretoleranz, sondern auch als Schlaf- und Rastgewässer für durchziehende Limikolen und Wasservögel erhalten werden.

Derzeit ist die Vegetation der trockenen Standorte durch ein abwechslungsreiches Nebeneinander von unterschiedlichen Sukzessionsstadien geprägt. Dies liegt zum einen am unterschiedlichen Stand der Sanierung und zum anderen an der unterschiedlichen Beschaffenheit der Kippsubstrate. Auf den nährstoffreicheren, bindigen Quartärsubstraten verläuft die Sukzession deutlich schneller als auf den nährstoffarmen und sauren Tertiärböden. Die NABU-Stiftung will möglichst große Bereiche der tertiären Rohböden ungekalkt und ungedüngt erhalten, so dass diese vegetationslosen bzw. -armen Bereiche auch mittelfristig einen Lebensraum für hochspezialisierte Tiere bieten. Neben Flächen, die sich natürlich wiederbegrünen, sind vor allem auf den in den Jahren 1985 bis 1992 sanierten Naturschutzflächen des Tagebaus Kleinleipisch künstlich begründete Gesellschaften zu finden. Weit verbreitet sind natürliche sowie künstlich angelegte Trockenraseninitiale mit Schafschwingelarten, Bergsandknöpfchen und Sandstrohblume, unterschiedliche Pionierfluren mit je nach Ausprägung Schmalflügeligem Wanzensame, Huflattich oder Nachtkerzen, ruderale Halbtrockenrasen und Steinklee-Staudenfluren. Kleinräumig entwickeln sich Besenginsterheiden und uferbegleitende Röhrichtinitiale. Auf den nährstoffreicheren und älteren Flächen siedeln sich bereits die ersten Gebüsche und Gehölze an. Langfristig wird sich der überwiegende Teil der kohleführenden Kippenstandorte zu Wäldern aus Traubeneiche, Stieleiche, Kiefer und Birke entwickeln.

Wegen der vorhandenen Vielfalt an Lebensräumen kommt im Gebiet eine Vielfalt an Arten vor, von denen viele gefährdet sind. Künstlich geschaffene Nischen- und Biotopverbundstrukturen, wie Benjeshecken, Findlingsfelder und Tümpel sind für eine Reihe von Lurchen und Kriechtieren wie z. B. für Kreuzkröte, Knoblauchkröte oder Glattnatter gern angenommener Lebensraum. Unter den vielfältigen Wirbellosen, von denen ein hoher Anteil gefährdet ist, sind vor allem die auf trockene Rasenbiotope und offene Rohböden angewiesenen Arten, wie z. B. die Wolfspinnenart Trochosa robusta, der Heidelaufkäfer und der Sandohrwurm hervorzuheben.

40 Vogelarten, darunter Brachpieper, Raubwürger und nun auch der Wiedehopf, nutzen das Gebiet zur Brut. Insbesondere für den Kranich werden in Zukunft die Restlöcher zusammen mit den noch zu gestaltenden Flachgewässern des Klettwitzer Tagebaus als Rast- und Schlafgewässer immer wichtiger. Denn mit dem Abstellen der Grundwasserpumpen fallen die Grünhauser Klärteiche trocken, die bisher jeden Herbst von rund 4.000 Kranichen als Schlafplatz genutzt werden. Unter der Obhut der NABU-Stiftung wird damit das Naturparadies Grünhaus zukünftig eine wichtige Funktion zur Stabilisierung des südlichsten Kranichrastplatzes in Brandenburg übernehmen.

Nähere Informationen unter: http://www.naturerbe.de


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